

"In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der mobilen Suchanfragen um den Faktor 5 gestiegen und mit sprachgesteuerter Eingabe wird sich das Wachstum noch weiter beschleunigen."
Nutzenforschung Report befragte:
Daniel Meyer, Leiter Marktforschung der Google Deutschland GmbH
NR: Wo sehen Sie die Potenziale mobiler Marktforschung?
Daniel Meyer: Ähnlich wie im stationären Internet wird das mobile Internet zwei Funktionen übernehmen: als Untersuchungsgegenstand, aber auch als Erhebungsinstrument. Die Potenziale für Letzteres erscheinen aus heutiger Perspektive nahezu unerschöpflich. Das mobile Endgerät ist zunächst individuell, was eine hohe Datenqualität verspricht. Und es sind schon heute zahlreiche Applikationen verfügbar, deren Einsatzmöglichkeiten in der Marktforschung – Zustimmung des Probanden vorausgesetzt – offensichtlich sind: Der Barcode Scanner als Instrument zur Erfassung von Einkäufen, das GPS-Signal zur Ortung (Filialbesuch, Werbemittelkontakt zur Outdoor-Werbung), die über das Mikrofon aufgenommen Geräusche, um abzugleichen, ob der Proband gerade einer Werbebotschaft ausgesetzt ist usw. Es ist gut vorstellbar, dass Konsumenten diese Informationen zukünftig freiwillig mit den Entwicklern der Applikationen teilen – quasi als Gegenleistung für ein kostenloses Produkt.
NR: Wie wichtig ist es, seinen Onlineshop handytauglich zu machen?
Daniel Meyer: Wie heißt es so treffend: Der wichtigste Absatzkanal ist derjenige, in dem sich der Kunde gerade aufhält. Mit steigender Bedeutung des mobilen Internets werden Unternehmen daher nicht auf einen Onlineshop für Smartphones verzichten können. Mobile Internetnutzer sind zudem eine hochinteressante Zielgruppe, ähnlich wie die early adopter des stationären Internets vor 10-15 Jahren. Wenn man diese Zielgruppe bedienen möchte, wird man auf ein mobiles Angebot nicht verzichten können.
NR: Wie viele Suchanfragen erhält Google täglich und wie viele davon werden von einem Mobiltelefon gesendet?
Daniel Meyer: Google kommuniziert grundsätzlich keine Daten zur absoluten Menge der Suchanfragen. Aber überlegen Sie sich, wie viele Suchanfrage Sie selbst im Schnitt pro Tag eingeben und multiplizieren Sie das mit über 40 Mio. aktiven Internetnutzern in Deutschland – dann bekommen Sie eine Größenvorstellung. Die Suchanfragen steigen auch stetig weiter an , getrieben durch unterschiedlichste Faktoren wie z. B. die immer stärkere Einbindung des Internets in den Alltag sowie durch leistungsfähigere und nahezu überall verfügbare Zugangsverbindungen zum Internet. Innerhalb der Suchanfragen ist das Segment „mobil“ das am stärksten wachsende. In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der mobilen Suchanfragen um den Faktor 5 gestiegen und mit sprachgesteuerter Eingabe wird sich das Wachstum noch weiter beschleunigen. Es ist spannend zu beobachten, wie groß der Anteil der mobilen Suchanfragen bereits in Ländern mit geringerer stationärer Internetpenetration ist wie z. B. in einigen afrikanischen Ländern. Die schlechtere technische Infrastruktur hat das Wachstum des Internets bislang verhindert, nun verhilft das mobile Internet zu einem deutlichen Sprung nach vorne.
NR: Wie wird sich mobile Shopping in der Zukunft entwickeln und wie wird es die E-Commerce-Branche beeinflussen?
Daniel Meyer: Ich vermute, dass das mobile Shopping eine Herausforderung für den stationären Handel darstellt – so wie es eCommerce für den Distanzhandel war. Mobile shopping wird zweierlei sein: Lückenfüller für „Zwangspausen“ im Tagesablauf (etwa die U-Bahn-Fahrt zur Arbeit), aber vor allem Entscheidungshilfe im stationären Entscheidungsprozess. Onlineproduktvergleiche oder -preisvergleiche werden stark vereinfacht, sodass die Transparenz beim Kauf zunimmt. Langfristig wird das zu einem höheren Preis-Leistungsverhältnis für die Kunden führen.
NR: Wie viele Apps bietet Google im Android Market an und welche Rolle spielen Betriebssysteme wie Google Android für Mobile Shopping?
Daniel Meyer: Gute Frage, ich weiß gar nicht, ob das jemand zählt! Entscheidend bei Android ist, dass es ein offenes Betriebssystem ist, an dem viele Entwickler teilhaben können. Offene Systeme helfen, die Kreativität der Entwickler zu fördern, aus denen mittel- bis langfristig tragfähige Geschäftsmodelle entstehen werden. Gerade Nischenanbieter haben hier die Chance, mit innovativen Ideen eine breite Nutzerschicht anzusprechen.
NR: Welchen Einfluss hat die Entwicklung des Mobile Shopping-Marktes auf Werbung? Wird es bald maßgeschneiderte GPS-basierte Werbung für Mobiltelefone geben?
Daniel Meyer: Ja, davon ist auszugehen. Das mobile Internet bietet direkt zwei Response-Kanäle ohne Medienbruch – die Onlinebestellung oder den Anruf bei der Kundenhotline. Daher wird „click to call“ im mobilen Internet eine deutlich wichtigere Rolle spielen als in der Vergangenheit. Insgesamt wird die Werbung relevanter werden, da eine zielgruppen- und situationsgerechte Ansprache deutlich vereinfacht wird. Am Ende wird jeder davon profitieren: Die Werbetreibenden, die effizienter potenzielle Kunden ansprechen können und die Kunden, für die sich die Angebotstransparenz deutlich erhöht.