
Mit Windows Vista wird es noch einfacher, komplexe Informations- und Interaktionsarchitekturen ergonomisch abzubilden und innovative Ansätze für eCommerce-Sites zu entwerfen. USABILITYtrend befragte Clemens Lutsch, User Experience Spezialist bei Microsoft, zum neuen Windows Betriebssystem.
USABILITYtrend: Warum ist für Microsoft die User Experience gerade bei der Entwicklung von Anwendungssoftware so wichtig?
Clemens Lutsch: Diese Anwendungssoftware ist für viele Menschen mehr als „nur Software“. Wir sprechen hier von Arbeitswerkzeugen, welche durchaus eine gewichtige Rolle in der Wertschöpfung von Unternehmen spielen. Stellen Sie sich vor, eine Firma setzt eine Software ein, bei deren Benutzung sich der Benutzer jedesmal durch ein Labyrinth von Masken, Dialogen oder was weiß ich kämpfen muss, bevor er seine eigentliche Arbeit beginnen kann. Ganz abgesehen davon, dass er sich jeden Abend regelmäßig darüber aufregt und vor lauter verzweifeltem Kopfschütteln schon einen steifen Nacken hat. Und auch der Privatanwender will ernst genommen werden. Unsere Verpflichtung ist es, effektive, effiziente Software zu gestalten, die Spaß und nicht krank macht.
Welche Rolle kann XAML dabei spielen?
Es unterstützt den Anspruch an ganzheitliche Systementwicklung. So erleichtert es die Anpassung der Oberfläche an die speziellen Bedürfnisse der Nutzer, sogar während der Laufzeit des Programs. Es ergeben sich neue Möglichkeiten für den Software-Entwickler, mittels einfacher Werkzeuge ein UI für Kunden anzupassen. Gleiches gilt auch für den Endnutzer, der nun Mittels XAML neue Optionen für die Personalisierung seiner Oberfläche an die Hand bekommen kann. Durch die feste Einbindung in die .NET Umgebung ist sichergestellt, dass XAML als UI-relevante Komponente eine sichere und stabile Erweiterung darstellt.
Warum ist eine erlebnisorientierte Gestaltung so wichtig?
Die Zeiten, in denen man mit einer Antwort alle Zielgruppen zufrieden stellen kann, sind vorbei - falls es jemals seine solche Zeit gegeben hat. Mit der Zunahme der Durchdringung interaktiver Systeme in der Bevölkerung nimmt auch die Vielfalt der unterschiedlichen Erfahrungswelten zu. Unsere Lösungen ermöglichen es, Systeme zu erstellen, die zur Interaktion reizen, die zum Mitmachen animieren und die einfach Spaß machen. Nicht umsonst hat der Begriff „Joy of Use“ in der letzten Zeit an Bedeutung gewonnen.
Welche Usability-Regeln hat Microsoft bei Vista beibehalten/ beachtet?
Neben den gängigen Regeln der Software-Ergonomie wurde vor allem Gewicht auf den Anwendungskontext und Vereinfachung von Aufgaben gelegt. Einige Beispiele: Wir haben eine Suchfunktion direkt an den „Start“ Button gelegt, der Explorer zeigt mittels verbesserter Breadcrump-Leiste mehr Transparenz und die neue Undo/Redo Funktion im Explorer verbessert die Fehlerrobustheit. Der „Context of Use“ war unsere maßgebliche Richtschnur um Interaktion und Information neu zu gestalten.
Was sollten Software-Entwickler zukünftig beachten, um erfolgreiche Produkte mit einer guten User Experience zu entwickeln?
Gute User Experience ist keine Hexerei. Wenn frühzeitig User Requirements, Usability und Kreation einbezogen werden, kann mithilfe der richtigen Technologie solide Arbeit geleistet werden. Wir sind inzwischen soweit, dass der Usability Spezialist und der Designer nicht mehr mit stand-alone Tools vor sich hin basteln müssen und nachher erst in der Entwicklung mit hohem Aufwand und mit großem Qualitätsverlust die „Übersetzungen“ in ein interaktives System gezimmert werden. Human Centred Design als Prozess bereichert die Software-Entwicklung und hilft, dass der Nutzer das Produkt gerne verwendet.