
USABILITYtrend befragte Wolfgang Wedler von WEINMANN Medical Technology. Das Unternehmen ist bekannt für sein anwenderorientiertes Entwickeln – ein entscheidender Faktor für den Erfolg der aufeinander abgestimmten Produkte, Abläufe und Anpassungen.
USABILITY TREND: Welche besonderen Anforderungen werden von Seiten der Anwender an die Geräte zu Schlaftherapie und Heimbeatmung gestellt und müssen in der Produktentstehung von WEINMANN berücksichtigt werden?
Wolfgang Wedler: Für unsere Geräte gibt es drei grundsätzliche Anwendergruppen mit unterschiedlichen Anforderungen, an die sich die Geräte der Heimbeatmung und der Schlaftherapie wenden: Das sind auf der einen Seite natürlich die Patienten - häufig ältere Anwender, die unterschiedlich abhängig vom Gerät sind. Die wichtigsten Anforderungen sind, dass die Patienten das Gerät zu Hause leicht bedienen können müssen, das heißt nicht nur benutzen, sondern auch reinigen. Besonders wichtig ist hier auch die Patientengebrauchsanweisung. Zudem werden die Patienten der Schlaftherapie immer mobiler. Die zweite Anwendergruppe sind die Ärzte. Es gibt Patienten, bei denen das Gerät durch den Arzt in Notsituationen im Krankenhaus bedient werden muss: Das bedeutet unter Umständen hohen Stress bei der Bedienung. Dritte Gruppe sind die Fachhändler. Die könnten Patienten eigentlich bei allen Aufgaben bezüglich des Gerätes unterstützen. Leider ist es je nach Land unterschiedlich, ob der Fachhändler eine Pauschale für das Gerät bekommt oder alle anfallenden Leistungen von der Kasse ersetzt werden. Deshalb sind die Fachhändler nur in den Ländern eine wirkliche Unterstützung, in denen die Kasse die Leistungen adäquat bezahlt.
Mit welchen Usability-Methoden wird bei WEINMANN sichergestellt, dass die Geräte benutzerfreundlich sind?
Weinmann setzt auf eine anwenderorientierte internationale Entwicklung, das heißt es gibt ein iteratives Vorgehen: vom Skribbel zum Prototypen bis zum fertigen Produkt werden Befragungen, Designtests und pluralistische Inspektionen durchgeführt. Markterfahrungen werden strukturiert über Befragungen gesammelt und fließen in die Entwicklung ein. Frühes Testen mit Anwendern ist uns sehr wichtig. Wir versuchen auch, dass möglichst alle an der Entwicklung Beteiligten Kontakt zu Anwendern haben und bei Befragungen oder pluralistischen Inspektionen dabei sind. Befragungen werden zusätzlich auch von Ärzten durchgeführt, da diese das Produkt auch aus fachlicher Sicht bewerten sollen.
Welche Rolle spielt für WEINMANN die DIN Norm 60601-1-6 bei der Entwicklung neuer Geräte?
Die Norm ist ein umfangreiches, nützliches und strukturiertes Hilfsmittel für Ergonomie. Ergonomie ist wichtig, da der Patient mündiger wird und bestimmte Handlungen vornehmen kann, die vor einiger Zeit nur durch Ärzte vorgenommen werden konnten. DIN EN 6060-1-6 ist Grundlage für alle unsere Fragebögen und wir integrieren die ergonomischen Erkenntnisse in die Risikoakte.
Was sind ihre Ziele?
Ein Entwicklungsziel ist eine möglichst hohe Therapietreue, sodass die Patienten das Gerät anwenden. Und die Patienten sollen das Gerät mögen und sich damit identifizieren können. Wir wollen für alle Geräte-Plattformen (Notfallbeatmung & Heimbeatmungsgeräte) eine Bedienphilosophie implementieren, damit das Anwendungserlebnis auf allen Geräten gleich ist und die Geräte in allen Situationen von allen Anwendern (auch denen, die bereits eine der beiden Plattformen kennen) sofort ohne Aufwand bedient werden können.